In der stillen Zeit zwischen Karfreitag und Ostersonntag verändert Rudersdorf sein akustisches Gewand. Es ist eine jahrhundertealte Tradition, dass in diesen Tagen die Kirchenglocken schweigen. Doch die Stille im Ort ist keineswegs leer – sie wird gefüllt durch ein ganz besonderes Geräusch, das Generationen von Einwohnenden seit ihrer Kindheit kennen: das rhythmische Klackern der Kleppern. In unserem Dorf wird dieser Brauch von den Kindern und Jugendlichen mit großer Hingabe gepflegt.

Das Kleppern ersetzt symbolisch das Läuten der Glocken. Doch hinter dieser Tradition steckt weit mehr als nur ein religiöser Brauch; es ist ein handwerkliches und soziales Gemeinschaftsprojekt. Die Kleppern sind oft kleine Kunstwerke aus Holz: Robuste Bretter, an denen bewegliche Schläger befestigt sind. Durch geschicktes Hin- und Herbewegen werden diese Schläger in Schwung versetzt und erzeugen das charakteristische, hölzerne Klappern. Viele dieser Instrumente sind über Jahre hinweg selbst gebaut oder werden stolz von den älteren Geschwistern an die jüngeren weitergereicht, die diese nicht selten nach Jahren an ihre Kinder weitergeben.

Besonders beeindruckend ist die Ausdauer unserer jungen Teilnehmenden. Während dieser Tage ziehen die Kinder in Gruppen durch alle Straßen von Rudersdorf. Es ist eine logistische und körperliche Leistung, denn der Zeitplan ist streng: Dreimal täglich erschallt der hölzerne Rhythmus im gesamten Ort. Selbst in der Phase, in der viele der Kinder und Jugendlichen bereits mit vollem Eifer der Kulturschmiede dabei helfen, das große Osterfeuer für den Ostersonntag aufzubauen, lassen sie es sich nicht nehmen, ihre Touren durch das Dorf zu absolvieren.

Diese Doppelbelastung – morgens, mittags und abends durch die Straßen zu ziehen und zwischendurch auf der Osterfeuer-Wiese Holz zu stapeln und Vorbereitungen zu treffen – zeigt, wie tief verwurzelt das Engagement in unserem Nachwuchs ist. Für die Kinder ist es Ehrensache, keine einzige Runde ausfallen zu lassen. Es ist diese Begeisterung, die zeigt, dass Traditionen in Rudersdorf nicht nur verwaltet, sondern mit frischer Energie gelebt werden.

Wenn am Ostersonntag schließlich die Glocken wieder läuten und das Osterfeuer hell brennt, wissen alle im Ort: Dies ist auch das Verdienst unserer Kinder. Sie tragen den Rhythmus des Dorfes weiter und sorgen dafür, dass unsere Bräuche lebendig bleiben. Wir als Kulturschmiede freuen uns, diesen Weg gemeinsam mit der jungen Generation zu gehen und diesen wertvollen Zusammenhalt zu fördern.